Cannes 2006 - 9. Tag
Filme von Douglas Gordon/Philippe Parreno, Lucas Belvaux, Paolo Sorrentino, Sofia Coppola.
Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau gefiel Zidane, un portrait du XXIe siècle von Douglas Gordon und Philippe Parreno, weil er "ganz auf die Enthüllungskräfte der Großaufnahme" sezue und dabei "nicht nur die Gattung des Sportfilms, sondern auch die bildkünstlerische Idee vom Porträt schlechthin" erweitere.
Tobias Kniebe von der Süddeutschen Zeitung moniert an La raison du plus faible - Das Recht der Schwächsten von Lucas Belvaux, hier täfe das "Thriller-Genre auf eine Sozialdemagogie, die schon zur Zeit von Dickens oder Victor Hugo nicht mehr ganz frisch war", und Belvaux gönne sich auch noch selbst eine "peinlich pathetische Heldenrolle". Paolo Sorrentinos L’Amico di famiglia – Der Freund der Familie kranke an seinen "bizarren, letztlich unerklärlichen Manierismen". An Marie Antoinette von Sofia Coppola erstaunte den Kritiker die "Naivität im Kern". Der Zidane-Film von Douglas Gordon und Philippe Parreno beweise einmal mehr, "wie sehr im Fußball der Ball selbst der Star ist, und wie schnell es langweilig wird, wenn er aus dem Blickfeld gerät".
Cristina Nord von der taz meint, man könne Coppolas "eskapistischen Ansatz per se reaktionär finden", aber manchmal werde es "gerade dann aufregend, wenn das, was man mit Argwohn betrachtet, in ein verführerisches Licht rückt, wenn etwa das Rückwärtsgewandte einen Reiz auszuüben beginnt. Mit diesem Reiz arbeitet Coppola, ohne ihm zu erliegen".
Hanns-Georg Rodek von der Welt schreibt über Marie Antoinette: " Coppolas Film ist historisch präzise insoweit, als die Revolution für Marie Antoinette wohl völlig überraschend kam. Diese weltvergessende Selbstverliebtheit teilt die Regisseurin offenbar mit ihrer Titelfigur." Coppolas Interesse gelte der "Oberfläche (...) auch in ihrer Inszenierung. Coppola filmt Menschen oder Grüppchen, und was sie damit sagen will, wird per Tonspur draufgeklebt:"
