Cannes 2007 - 3. Tag
Filme von Cristian Mungiu, Christophe Honoré, Anton Corbijn, Andrej Zviagutsev, Hou Hsiao Hsien sowie Tsui Lark, Ringo Tam und Johnnie To.
Wolfgang Höbel von Spiegel Online hat den rumänischen Film Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage von Cristian Mungiu gesehen und vergleicht Cannes gleich mal mit dem Rumänien unter Ceaucescu. Der Film handelt von einem schwangeren Mädchen das in den 80ern eine damals verbotene Abtreibung vornehmen läßt. "Die Kunst von Mungius Film besteht in seiner Klarheit und erzählerischen Nonchalance. (...) Was für eine eitle, manierierte und höchstens mittelcharmante Fingerübung ist dagegen Les Chansons d'Amour". Von Christophe Honoré. Nicht nur die Musik sei "schlimmer Kitsch. Auch die Story um den jungen Juden Ismael (sieht toll aus: Louis Garrel) und dessen amouröse Abenteuer vor und nach dem Tod der blonden Julie, die seine Freundin war, quietscht und geigt und säuselt (wie die Musik) an allen Enden." Zu poserhaft fand Höbel auch Control von Anton Corbijn über den Joy Division-Sänger Ian Curtis. Etwas besser gefiel ihm Andrej Zviagutsev Wettberwerbbeitrag Die Verbannung: "Der 1964 geborene Regisseur aber zelebriert sie mit einer heiligen Inbrunst und biblischen Wucht, mit schwelgerischen Naturbildern und dröhnenden Chorälen, die manche Kritiker hier in Cannes während der Pressevorstellung mit Hohngelächter quittierten. Völlig zu Unrecht."
Cristina Nord ( taz) hat Triangle von den Regisseuren Tsui Lark, Ringo Tam und Johnnie To gesehen. Jeder der drei hat ein Drittel des Actionthrillers inszeniert und der ist dann auch "uneinheitlich (...), was kein Nachteil sein muss." Ihr hat zumindest der Teil von Johnnie To sehr gut gefallen. Den Film Le voyage du ballon rouge von Hou Hsiao Hsien mit Juliette Binoche nennt Nord "eine schöne, leichte Reflexion über Alltag und Kunst, Fantasie und Mühsal."
Verena Lueken von der FAZ schreibt über Triangle: "Das Ganze war ein Spaß für die Regisseure, so scheint es, und fürs Publikum ist es das auch." Bei Le voyage du ballon rouge hat sie sich dagegen gelangweilt.
Andrej Zviagutsevs Film Die Verbannung hätte sie gar verlassen, wenn er zu einem späteren Zeitpunkt im Festival gelaufen wäre. "Für eine Weile wenigstens ist die Geschichte noch mysteriös, aber am Ende buchstabiert der Regisseur alles doch fein säuberlich aus."
Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau schreibt, in Cannes liefen "an drei Tagen schon mehr relevante Filme als im gesamten Berlinale-Wettbewerb." Er hat die Filme von Wong Kar-wai, Cristian Mungiu und Andrej Zviagutsev gesehen.
Rüdiger Suchsland schreibt für artechock über My Bluberrs Nights :"Noch nie war ein Wong Kar-wai-Film so uncool wie dieser"; "zuwenig poetisch" sei das, als "fehlt gerade, was man an diesem Regisseur so schätzt". Zodiac von David Fincher ist für den Kritiker ein "zutiefst pessimistisches, aber überaus menschliches Drama der Desillusionierung", ein "in seiner Nüchternheit toller Film, freilich eher ein philosophischer Essay, als ein reißerischer Plot, eher ein Dokudrama, als ein Thriller".
4 Monate, 3 Tage und 2 Stunden von Cristian Mungiu zählt für Suchsland zum "üblichen Depressionskino" - man sieht "dreckige häßliche Menschen an dreckigen hässlichen Schauplätzen dreckige hässliche Dinge tun". Das Schlimmste daran sei "nicht die kaum versteckte Pädagogik und der unverhüllte Moralismus des Ganzen, sondern dass er so perfekt unsere Erwartungen bedient". The Banishment von Andrey Zvyagintssev gehöre zum "üblichen Prätentionskino".
In der Welt darf Thomas Peter Friedl von Constantin Film seine Eindrücke erzählen.
