Cannes 2008 - 11. Tag
In Cannes sind die ersten Preise vergeben worden. Außerden besprechen die Kritiker Filme von Wim Wenders, Laurent Cantet und Jennifer Lynch.
In Cannes sind die ersten Preise vergeben worden, meldet die Frankfurter Rundschau; Der belgische Beitrag Eldorado von Bouli Lanners wurde dabei gleich drei Mal ausgezeichnet: neben dem Preis der Internationalen Filmkritikerjury auch den Preis "Label Europa Cinemas" als bester europäischer Film sowie den Nachwuchspreis "Regards Jeunes".
Lars-Olav Beier von Spiegel Online meint, The Palermo Shooting von Wim Wenders sei "sehr prätentiös geraten, die gestelzten Dialogsätze und schlaksigen Bewegungen des Hauptdarstellers passen nicht so recht zusammen". Ein "kleines Wunder" hingegen ist Entre les Murs von Laurent Cantet, nie passiert etwas "Spektakuläres", nie wirke der Film "falsch oder überzogen - und doch ist er ungemein amüsant und tief bewegend". Beier gibt auch Prognosen ab für die abendliche Preisvergabe: "Goldene Palme für das Familiendrama Üç Maymun des türkischen Regisseurs Nuri Bilge Ceylan. Preis der Jury für Ari Folmans animierten Dokumentarfilm Waltz with Bashir". Aber "sicher kommt alles ganz anders".
Martin Walder von der NZZ hat beim diesjährigen Festivaljahrgang einen "Trend zum Biografischen" ("Deutlich wurde: Für den Dokfilm gibt es einen Markt. Vorausgesetzt, das Thema ist von breitem Interesse und die Machart exzellent") erkannt - und ein großes "ethnografisches Interesse" ("Ein sozialer Kosmos wird detailliert und breit beobachtet, ohne dem Publikum gleich eine Moral mitzuliefern"). Der beste Film des Wettbewerbs war für den Kritiker Le Silence de Lorna von den Brüdern Dardenne; der habe "kein Gramm Fett zu viel, kein Gefühl zu viel und enthält gerade deshalb so viel an emotionaler Dichte wie eine Suite von Bach".
"So etwas erlebt man in Cannes nicht oft: Höhnisches Gelächter kommentierte sarkastisch einzelne Dialoge, und am Ende der Pressevorführung von Wim Wenders' neuem Film Palermo Shooting, der seine offizielle Premiere am Samstagabend im Wettbewerb von Cannes erlebt, rührte sich kaum eine Hand zum Applaus, stattdessen gab es ein Buhkonzert", berichtet Rüdiger Suchsland bei artechock; der Film sei "in jeder Hinsicht Seniorenkino: Alte Autos, alte Kameras, alte Häuser, alte Männer, und auch Wenders' Bilder sehen alle mindestens 30 Jahre alt aus". Diese "kulturkonservative Eintopf" wäre nicht der Erörterung wert, wenn er nicht "ästhetisch so erbärmlich" wäre.
Besser gefiel Suchsland Surveillance von Jennifer Lynch: "Ein brutaler, kühl und berechnend inszenierter Film, der durch Handwerk besticht, und große Momente aufweisen kann, wie einige seichte, schlecht gelungene Stellen".
