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Aktualisiert am 16.05.2008

Cannes 2008 - 1. Tag

Heute mit Stimmen zum Eröffnungsfilm Die Stadt der Blinden von Fernando Mereilles.

Cannes 2008 Plakat

Verena Lueken von der FAZ schreibt über den Eröffnungsfilm Die Stadt der Blinden von Fernando Mereilles, es habe einen "gewissen Charme". ein Filmfestival zu eröffnen mit einem Film übers Blindsein und Wieder-Sehen-Lernen. So richtig überzeugt hat sie das Werk aber nicht: Wir sähen statt einer "Schreckensvision", die im Buch von José Saramago "unmittelbar spürbar" sei, "nur das Lehrstück, das Saramago natürlich auch geschrieben hat: über die Kraft der Menschlichkeit, gerade dann wieder zum Vorschein zu kommen, wenn den Menschen alles andere genommen ist". An den "Rand des Zeigbaren", an den Mereilles hätte gehen müssen, wenn er Saramago "wirklich gefolgt wäre", habe er sich nicht gewagt.

Auch Susan Vahabzadeh von der Süddeutsche Zeitung hält den Film nicht für geglückt: "Meirelles hat die Geschichte dann auch noch so beschleunigt, dass sie vieles verschleudert, die Bedeutung des Hungers beispielsweise - ein enttäuschender Auftakt. Und in manchen Momenten hat man den Eindruck, dass der Film selbst die Fühllosigkeit an den Tag legt, die er geißelt".

Eine "grimmige Geschichte" habe Mereilles' Film seinen "hochbestöckelten und amüsierwilligen Roten-Teppich-Tretern" zur Eröffnung zugemutet, meint Hanns-Georg Rodek von der Welt. Der Regisseur bleibe Saramago treu, indem er dessen Gesellschaftsentwurf "nicht in ein Spektakel der Spezialeffekte verwandelt"; er widerstehe er dem Impuls, "sich in Bildern der Zerstörung und des Wahnsinns zu suhlen". In jedem Fall habe der Film das Festival "zunächst auf einen düsteren Grundton eingestimmt".

Cristina Nord von der taz meint, Meirelles' Beitrag male nach einen Zustand aus, "in dem die Regeln der Zivilisation außer Kraft sind, in dem die Normalität aufgehoben ist, in dem die Institutionen versagen". Diese Grundkonstellation gebe vielen Filmen einen Rahmen gibt, zuletzt etwa Children of Men von Alfonso Cuarón oder Wolfzeit" von Michael Haneke. Es habe schließlich auch einen großen Reiz, "sich vorzustellen, wie eine Stadt aussieht, wenn ihre Bewohner nicht länger ihren geregelten Abläufen folgen, nichts mehr funktioniert". Ob Die Stadt der Blinden diesem Szenario neue, interessante Facetten abgewinnt, verrät uns die Kritikerin nicht.

Rüdiger Suchsland schreibt in seinem Cannes-Tagesbuch bei artechock, der Eröffnungsfilm sei "schockierend" und "ungewöhnlich", spiele "auf der Klaviatur verschiedenster Gefühle" und nehme am Ende eine "plötzliche Kurve ins sentimentale Happy End".

Georg Seeßlen schreibt in der Zeit sehr ausführlich über die Indiana-Jones-Reihe; die Abenteuer-Saga entstehe "immer wieder neu am Schnittpunkt zweier gewaltiger mythopoetischer Systeme, die das Hollywood- und damit das Weltkino lange Zeit dominierten" - dem "Spielberg-System", das "liberal, humanistisch, familiär und neurotisch", und dem "Lucas-System", das "alttestamentarisch, heroisch, imperial und paranoisch" sei. Im neuen Film Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull erleben wir einen Indiana Jones, der "older and wiser" geworden ist. Wow!

Agenturberichte zum Eröffnungsfilm und -gala finden sich in der Frankfurter Rundschau und bei Spiegel Online.