Cannes 2008 - 2. Tag
Heute mit Stimmen zu den Filmen von Ari Folman und Pablo Trapero
Verena Lueken von der FAZ schreibt über Waltz with Bashir von Ari Folman, dies sei ein Film, "wie ein Festival ihn sich nicht schöner wünschen kann (auch wenn er dann vielleicht nichts gewinnen wird) - innovativ in der Form, politisch brisant, unterhaltsam, schnell. Der animierter Dokumentarfilm "von aus Israel und erzählt eigentlich die Geschichte seiner Entstehung".
" Ari Folmans anfänglich surreal anmutender, schließlich verstörend sachlicher Animationsfilm begreift die Erinnerung als Alien: Unfassbar in ihrer amorphen Struktur, nicht zu greifen und doch - gerade in ihrer kollektiven Form - von gespenstischer Macht", schreibt Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau. Der argentinische Beitrag Leonera von Pablo Trapero spiele fast gänzlich in der Station eines Gefängnisses; Trapero beleuchte diesen Ort "mit allen erdenklichen zwischenmenschlichen Aspekten - außer einem, der Schuldfrage. Sie hat in seinem humanistischen Kino nichts verloren".
Der Wettbewerb, mit Fernando Meirelles Blindness "glücklos eröffnet", nehme nun zögerlich Fahrt auf, schreibt Cristina Nord von der taz. Pablo Traperos Gefängnisfilm sei "stellenweise subtil und nüchtern inszeniert", lasse sich zwischendurch dann aber doch mitreißen, was "angesichts der hohen Emotionalität des Sujets nicht verwundert", den Film aber "eine Spur konventioneller macht, als er sein müsste". An Ari Folmans Film überzeugte die Kritikerin "die Klarheit der Animation, das Nebeneinander von Traum und Wirklichkeit, der etwas grobe Strich, dazu der harte Einsatz von Musik", denn all das öffne Folman einen Raum, in dem er "viel direkter über Erinnerung, Trauma und Vergessen reflektieren kann, als das im Realfilm möglich wäre".
Waltz of Bashir biete "nach 113 Jahren Filmgeschichte wirklich noch einmal etwas, das es noch nie gegeben hat: eine Dokumentation in Trickfilmform", staunt Hanns-Georg Rodek von der Welt. Obwohl Folmans Vorgehensweise - das Befragen von Augenzeugen – eine "genuin dokumentarische" sei, werde sie "auf der Bildebene durch eine zutiefst subjektive konterkariert". Die Trickversion vom Krieg ist "rotgetränkt, desorientierend, unpathetisch", die "ungewohnte Bilderfahrung" sensibilisiere uns "neu in Sachen Gewalt".
Als "neuartige Form der Kriegs-Doku, die sowohl visuell fasziniert, als auch emotional aufrüttelt", beschreibt Andreas Borcholte von Spiegel Online Waltz of Bashir. Folmans Film sei "nicht ohne Makel, denn die visuelle Überraschung täuscht über einige dramaturgische Schwächen hinweg". Pablo Trapero wolle "anprangern und anklagen, dass macht er mit "teils drastischen Bildern" unmissverständlich klar; dass sein Film nicht an sinem "hehren Pathos" ersticke, liege vor allem an seiner Hauptdarstellerin Martina Gusman. Das neue Dreamworks-Animationsspektakels Kung Fu Panda, außer Konkurrenz laufend, biete "ein bisschen hirnlose Unterhaltung" und sei vielleicht auch ins Programm genommen, "damit die Journalisten nicht schon am zweiten Tag in Depressionen verfallen".
