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Aktualisiert am 18.05.2008

Cannes 2008 - 4. Tag

Heute mit Kritiken zu den Filmen von Woody Allen, Walter Salles, Andreas Dresen, Arnaud Desplechin, Nuri Bilge Ceylan, Jia Zhang Ke, Ari Folman, Fernando Meirelles und Steve McQueen.

Cannes 2008 Plakat

" Woody Allen sorgte mit seinem Film Vicky, Cristina, Barcelona zum Beginn des Wochenendes für ziemlich gute Laune", schreibt Verena Lueken von der FAZ. Die außer Konkurrenz laufende romantische Komödie beite ein "nicht ganz unvorhersehbares Durcheinander in den Herzen und Betten", aber Allen "verwebt alle sämtliche Klischees, die die Konstellation hergibt, so leicht und sicher miteinander, dass man jeden Augenblick spürt, wie viel Spaß er dabei hatte". Woody Allen war jedenfalls "lange nicht in so guter Form", meint die Kritikerin, die außerdem die Filme von Arnaud Desplechin, Nuri Bilge Ceylan und Jia Zhang Ke; dessen sperriger Film 24 City gehöre zu den "spannendsten im Wettbewerb bisher".

Andreas Borcholte von Spiegel Online meint, Woody Allen, "der alte Zyniker", freue sich darüber, "in seinem spanischen Sommernachtstraum mal wieder jede Menge schöne Frauen und haufenweise Schauspieltalent versammelt zu haben". In Wolke 9 habe Andreas Dresen den "riesigen Konflikt im Leben kleiner, einfacher Leute" mit der "ihm eigenen Intensität" gefilmt. Der Film wikre "echt" treffe genau da, "wo er zum Denken anregen will". Linha de Passe von Walter Salles ist für den Kritiker ein "eindrucksvolles, bildmächtig inszeniertes Drama", das nichts beschönige, aber eine "Poesie der Bilder" entfalte, die an City of God von Fernando Meirelles erinnere.

Martin Walder von der NZZ resümiert die ersten Festivaltage: "Wo und in welcher Art gelingt es dem Kino, Konventionen zu bedienen, aber auch zu reflektieren, um sie zu durchbrechen, Neuland zu betreten? Was wird sich im Rückblick als fruchtbare Zumutung herausstellen, was als blosser Effekt? Cannes hat auf die Herausforderung schon länger mit einer Öffnung reagiert." "Dokumentarisch Kontroverses", aber auch "Hightech-Animation à la Kung Fu Panda" gehörten heute zum künstlerischen Repertoire. Entscheidend bleibe aber die "persönliche Handschrift", und keiner habe "bisher - bei absoluter formaler Souveränität - so viel bis über die Schmerzgrenze riskiert wie der junge schwarze Engländer namens Steve McQueen in seinem IRA-Drama Hunger aus der Thatcher-Zeit". Ein "stupender Erstling" sei der Film, eine "kompromisslos brutale politische Reflexion". Die "erste grosse Überraschung" des Wettbewerbs ist für den Kritiker Waltz With Bashir von Ari Folman.
Bei Die Stadt der Blinden von Fernando Meirelles sei es fast ein Wunder, wie treu der Regisseur dem Roman geblieben ist; dies sei aber gleichzeitig sein "Verhängnis". Er sei "hervorragend gemacht", illustriere sein Thema aber doch nur "gekonnt".

Hanns-Georg Rodek schreibt in der Welt über Wolke 9 von Andreas Dresen, dies sei der "bisher ernsteste Dresen, der das Tabu von Liebe (und vor allem Sex) im Alter aufgreift, aber sich nicht im Tabubruch gefällt, sondern vor allem ein Film über letzte Chancen im Leben ist". Arnaud Desplechins Wettbewerbsbeitrag Un conte de noel fand Rodek "harmlos", Lob verteilt er an Nuri Bilge Ceylans Die drei Affen, denn erstmals habe der "für seine streng komponierten Bilder bekannte türkische Regisseur auch eine starke Geschichte gefunden". Woody Allens Film hinterlasse keinen bleibenden Eindruck, sondern entfleuche dem "Kurzzeitgedächtnis" sehr bald.

Martin Wolf von Spiegel Online berichtet, dass Indiana Jones IV von Steven Spielberg sehr matt von der Kritik aufgenommen wurde.