Cannes 2008 - 6. Tag
Heute mit Stimmen zu den Filmen von Steven Spielberg, Ari Folman, Arnaud Desplechin, Woody Allen, Brillante Mendoza, Matteo Garrone, Jean-Pierre und Luc Dardenne.
Christoph Egger von der NZZ bemerkt zu Spielbergs Indiana Jones IV, man hätte die "miserable letzte halbe Stunde" abschneiden müssen, um einen Film zu bekommen, "von dem man den wirklich witzigen, schön gemachten Anfang nicht beinah schon vergessen hätte". Der Film versinke in "öden Fantasy-Reminiszenzen". Bemerkenswerter war für den Kritiker der "bisher ungewöhnlichste Wettbewerbsbeitrag", Waltz With Bashir von Ari Folman, und Arnaud Desplechins Un conte de Noël. Den "mit Abstand grössten Applaus" habe freilich Woody Allens außer Konkurrenz gezeigter Vicky Cristina Barcelona, ein "heiteres Sommerstück des Meisters, das dennoch auf einem Mollakkord endet; ein Konversationsstück über erotische Attraktionen von hinreissender Eleganz, das beiläufig die verführerischsten production values Barcelonas und Oviedos heranzieht".
"Mein Gott! Wie lange musste ich auf die Fanfare der Freiheit warten. Fast 20 Jahre hast du mich im Kino alleine sitzen lassen! Jetzt bist du wieder da. Indiana Jones!" - so jubelt Marco Dettweiler in der FAZ angesichts von Steven Spielbergs Film. Und launig geht es weiter im Text.
Lars-Olav Beier ( Spiegel Online) schreibt über Le Silence de Lorna von Jean-Pierre und Luc Dardenne zwar durchaus respektvoll, richtig begeistert klingt er aber nicht: "Die Dardennes zeigen eine Frau mit reinem Herzen in einer korrupten Welt; das könnte peinlich sein, pathetisch, kitschig. Doch Arta Dobroshi wirkt als Lorna nie wie eine Heilige, sondern wie eine Frau, die ihrem Gewissen folgt, weil sie nicht anders kann, weil es in ihrer Natur liegt. Und die Dardennes beobachten sie dabei ruhig, konzentriert, aus respektvoller Nähe." Außerdem hat er noch Gomorrha von Matteo Garrone und Serbis von Brillante Mendoza gesehen, die beide "mit einer so unüberschaubaren Menge oft kaum unterscheidbarer Figuren" aufwarten, "dass der Zuschauer den Überblick verliert und sich schwer tut, Mitgefühl zu entwickeln."
Martin Wolf ( Spiegel Online) hat Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels ziemlich enttäuscht. Es fehle an Fantasie und Humor.
In der Welt beschreibt Ulrich Gregor einen typischen stressigen Festivaltag.
