Cannes 2008 - Vorberichte
Ausblicke, Programmvorschau
14.5.:
Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau schreibt in leicht resignativem Tonfall: "Der Nachrichtenwert der Filmkunst sinkt. So kreisen die meisten Vorab-Artikel um einen Film, den man nur wenige Tage nach der Festivalpremiere an jeder Ecke wird sehen können: Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull". Über diesen Blockbuster hat ein Blogger schone einiges verraten - trotz der von Steven Spielberg höchstpersönlich überwachten, geheimniskämerischen Werbekampagne. Der Kritiker freut sich besonders auf Filme von Leuten, deren Namen "niemandem etwas sagen".
Auch Verena Lueken von der FAZ blickt voraus auf das heute beginnende Festival, schaut aber zunächst 40 Jahre zurück: 1968 eröffneten die Filmfestspiele mit der Vorführung von Vom Winde verweht, "etwa vierhundert Filmemacher (...) besetzen den großen Vorführungssaal und die Bühne. François Truffaut, Jean-Luc Godard, Claude Lelouch und Claude Berri verlesen ein Manifest und fordern aus Solidarität mit den Streikenden den unverzüglichen Abbruch des Festivals" - was dann auch geschah.
Cannes sei heute "weiterhin eine kommerzielle Veranstaltung, aber eben nicht nur". Wie sonst, fragt die Kritikerin, ließen sich "die spröden Wettbewerbsbeiträge etwa der Dardenne-Brüder aus Belgien erklären, die in diesem Jahr schon zum wiederholten Mal an der Croisette zu Gast sind (und bereits zweimal mit Goldenen Palmen nach Hause zogen), oder von Atom Egoyan, der Adoration zeigt? Wie käme ein animierter Dokumentarfilm über den Libanesischen Bürgerkrieg ( Waltz with Bashir von Ari Folman) ins Wettbewerbsprogramm, der neue Wim-Wenders-Film oder ein Viereinhalbstundenwerk über Che, auch wenn der Regisseur Steven Soderbergh heißt? Und wie La frontière de l’aube von Philippe Garrel, einem der Wortführer der Neuen Welle im französischen Kino, die Cannes damals überrollte?"
"So viele Neulinge wie nie zuvor" im Wettbewerb verleiten Schulz-Ojala vom Tagesspiegel zu der Spekulation, dass da "einer, den heute kaum einer kennt, bis zur Goldenen Palme durchmarschiert".
Cristina Nord schreibt in der taz, um die Goldene Palme konkurrieren "lauter Autorenfilmer, die sich - zumindest in der Wahrnehmung deutscher Kinogeher - in einem seltsamen Paradox bewegen: Ihre Arbeiten finden eher ausnahms- als normalerweise den Weg in hiesige Arthouse-Säle; auf der Weltkarte des gegenwärtigen Kinos spielen sie dennoch eine herausragende Rolle".
Auch Christoph Egger von der NZZ stellt wichtige Filme des Programms vor.
13.5.:
Blindness ( Die Stadt der Blinden) von Fernando Meirelles eröffnet das Festival, meldet der Tagesspiegel und listet alle Wettbwerbsbeiträge auf.
11.5.:
Die Frankfurter Rundschau stimmt uns mit einem dpa-Bericht auf das Filmfestival ein, das am 14. Mai beginnt.
1.5.:
Für den Wettbewerb sind drei weitere Filme nominiert worden, meldet die Frankfurter Rundschau. Es handelt sich um Werke von Fernando Mereilles, Laurent Cantet und James Gray.
26.4.:
epd Film stellt das Programm des Festivals vor.
24.4.:
Die FAZ weiß, welche Filme laufen werden - zum Beispiel The Palermo Shooting von Wim Wenders (Wettbewerb) und Wolke 9 von Andreas Dresen (Un certain regard); Clint Eastwood ist mit Changeling dabei, Steven Soderberg mit einem vierstündigen Film über Che Guevara und die Dardenne-Brüder mit Le silence de Lorna. Um die Goldene Palme wetteifern auch zwei Filme aus Italien, ebensoviele aus Frankreich. Außer Konkurrenz werden Filme von Woody Allen, Emir Kusturica und Steven Spielberg ( Indiana Jones IV) zu sehen sein.
Spiegel Online führt auch die Filme auf, die in Cannes dann doch nicht gezeigt werden: der "CIA-Thriller" Burn After Reading von den Coen-Brüdern, Fernando Meirelles Saramago-Adaption Blindness und - besonders bitter - der Kinofilm zur TV-Serie "Sex and the City".
