Filmkritik:
Million Dollar Baby
USA 2004 R: Clint Eastwood D: Clint Eastwood, Hilary Swank, Morgan Freeman, Jay Baruchel, Mike Colter, Lucia Rijker, Brian O’Byrne, Anthony Mackie Filmwebsite
Der alternde Boxmanager Frankie (Clint Eastwood) betreut die junge Boxerin Maggie (Hilary Swank) - zunächst widerwillig, später mit väterlicher Zuneigung. Als Maggie bei einem Kampf schwer verletzt und querschnittsgelähmt wird, bittet sie Frankie, sie zu töten.
Daniel Kothenschulte von der FR stellt zunächts einmal klar, dass dies kein Film über das Boxen ist: "Alle Boxszenen sind mit einem offensichtlichen Desinteresse am Spannungsgewinn inszeniert", ja sie "spotten einfach der Beschreibung". Eastwood zeige den kompromisslosen Aufstiegwillen einer jungen Frau aus der Unterschicht. Zwar lasse Eastwood "an der Würde seiner Hauptfigur keinen Zweifel aufkommen", "gänzlich würdelos" aber sei die "Zeichnung ihres Milieus". Maggies Sippschaft "ist ein Haufen geldgieriger Nichtsnutze, die man platter nicht hätte karikieren können. Diese Szenen sind so grässlich geschrieben und inszeniert, dass man kaum glauben kann, dass sie von einem der größten amerikanischen Filmemacher stammen". Das letzte Drittel dieses "hochgelobten" Films sei "so erbärmlich, dass auch seine Stärken, insbesondere die phantastisch herausgearbeitete Männerfreundschaft - wenig wert sind". Million Dollar Baby ist für Kothenschulte ein "Musterbeispiel dafür, was geschieht, wenn einer der größten Künstler seines Fachs sich selbst an eine fixe Idee verkauft".
Susan Vahabzadeh von der Süddeutschen Zeitung dagegen schwärmt, Million Dollar Baby sei "in vielerlei Hinsicht frischer und kompromissloser und mutiger als das meiste, was junge Filmemacher zu bieten haben". Eastwoods "dichteste Arbeit" sei "nicht sentimental, sondern schmerzlich, so ehrlich und bewegend, dass man sich gar nicht vorstellen kann, es könnte ihm noch einmal mehr dazu einfallen, als hätte er bereits alles hineingelegt, was er in seinem Innersten hat finden können". In Wahrheit sei das zentrale Thema nicht die Sterbehilfe, sondern "was Liebe ist". Frau Vahabzadeh verrät uns in ihrer Kritik auch, was für sie Liebe ist.
"Es ist wirklich schwer zu entscheiden, wer die Zielgruppe von Million Dollar Baby ist. Wahrscheinlich muss sie erst noch erfunden werden", meint Kerstin Decker vom Tagesspiegel. Eastwood sei eine "Revolution des Boxerfilms" und eine "sanfte Revolution des Melodrams" geglückt. Bei der Inszenierung sei "alles Feinarbeit, sehr reduktionistisch, sehr kühl, aber die Beinarbeit stimmt: der Gegner, der Zuschauer, wird in Dauer(an)spannung gehalten, auch zwischen den Schlägen. Und jeder Schlag, jede Szene sitzt". Wie in manchen Filmbesprechungen jeder Formulierung.
Hanns-Georg Rodek von der Welt fühlte sich während der zweistündigen Laufzeit des Film "geborgen wie in Abrahams Schoß, an der Hand eines Kinoreiseführers, der alles gesehen hat und nur das Essentielle zeigt". Viele Regisseure würden "im Alter geschwätzig", Eastwood "fokussiert immer mehr; viele gehen auf Nummer sicher, Eastwood ist mit 74 wagemutiger als die meisten Jungspunde im Schnee von Sundance"; ihm sei eine "einzigartige Synthese aus bedienten und vermiedenen Klischees" gelungen. Der "zeitgenössische Familienfilm" handele davon, wie man "Achtung und Selbstachtung erringt".
Peter Körte von der FAZ beschreibt Clint Eastwood als den "letzten Überlebenden jenes rauhbeinigen Individualismus, für den Hollywoods Helden mal berühmt waren"; sein Million Dollar Baby sei "auf eine Weise exemplarisch, wie man es von dem 'großen amerikanischen Roman' behauptet". Mit "Großzügigkeit und Gelassenheit" vetraut der Film auf die" Kraft seiner Geschichte und die Fähigkeiten seiner Schauspieler", hat eine "simple, klare Form", ist "klassisch in dem Sinne, in dem die Filme von John Ford klassisch sind".
Verena Lueken von der FAZ stellt fest, dies sei "natürlich ein Boxfilm"; man könne ihn aber "mit Recht auch einen Liebesfilm nennen, einen Freundschaftsfilm, einen Respekt- und einen Würdefilm." Jedenfalls bringe er "etwas aus der Vergangenheit zurück, aus den Zeiten, als John Ford etwa und Howard Hawks Filme machten, und zwar eine Erzählweise, die klassisch ist und immer klassisch war. Nicht altmodisch, beileibe nicht, aber inzwischen selten." Dem "Stoiker und Minimalisten" Eastwood zuzuschauen sei "in dieser Zeit des Mimikgetöses" beinahe eine "buddhistische Erfahrung".
Volker Mazassek von der Frankfurter Rundschau hat der "immer wieder erzählten uramerikanischen Geschichte, dass man es schaffen kann, wenn man nur will", gerne zugesehen - trotz der Schwächen des Drehbuchs und einigen "üblen Klischees".
Für Andreas Busche ( taz) ist Million Dollar Baby "als Boxfilm (...) eine kleine Offenbarung". Der "fast puristisch zu nennenden Erzählstil" mit seinen "mittellangen Einstellungen", den sparsamen Musikeinsätzen und dem "zurückgenommene Spiel seiner Darsteller" vermittelten eine "Stille, in der bereits eine tiefe Resignation zu spüren ist" und die "Schwere eines Requiems" ausstrahlten. Eastwoods "mangelndes Verständnis für soziale Randgruppen" sei allerdings "befremdlich".
Katja Nicodemus von der Zeit schreibt, dies sei ein "wunderbar musikalischer Film", weil sich "Figuren, Licht und Dialoge zu einer ruhig voranschreitenden, epischen Erzählung" verbinden und weil Eastwood "jeden Wechsel der Tonlage meisterhaft instrumentiert".
Clint Eastwood hat dem Spiegel ein Interview gegeben.
Die US-Pressestimmen zum Film finden Sie hier.
Special Edition (2 DVDs)
Infos zu diesem Titel
• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1) Englisch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch
• Dolby, DTS Surround Sound, Special Edition, Surround Sound
• Anzahl der DVD's 2
• Laufzeit: 127 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 4. Oktober 2005
• Produktion: 2004
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