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Aktualisiert am 04.04.2009

Filmkritik:

Rachels Hochzeit

Rachels Hochzeit

(Rachel Getting Married) USA 2008 R: Jonathan Demme D: Anne Hathway, Rosemarie DeWitt, Bill Irwin, Tunde Adebimpe, Mather Zickel, Anna Deavere Smith, Anisa George, Debra Winger 113 Min. Filmwebsite
Für die Hochzeit ihrer Schwester Rachel kehrt Kym nach einigen Jahren der Abwesenheit und mehreren Aufenthalten in Entzugskliniken zurück in ihr Elternhaus. Dort hat sich bereits eine illustre Hochzeitsgesellschaft mit zahlreichen Freunden und Verwandten der Familie Buchman für ein idyllisches Wochenende des Feierns, der Musik und der Liebe versammelt. Doch Kym, mit ihrem schwarzen Humor und ihrem Hang zur Dramatik, bringt die unterschwelligen Spannungen innerhalb der Familie ans Licht - und lässt dadurch eine lange Geschichte persönlicher Krisen, Familienkonflikte und Tragödien wieder aufflammen.

Franz Everschor (Filmdienst) ist voll des Lobes. Es sei "Demmes bester Film seit langem", mit einem "vorzüglichen Drehbuch von Jenny Lumet", dessen "Intelligenz" es dem hervorragenden Ensemble ermöglicht auch kleine Rollen in "Menschen aus Fleisch und Blut" zu verwandeln. "Wir haben es bei hier mit dem seltenen Fall eines völlig homogenen Zusammenspiels aller am Entstehen des Films Beteiligten zu tun." Anne Hathaway spiele die Hauptrolle "mit geradezu beängstigend nervöser Konsequenz und Glaubwürdigkeit."

Heike Kühn (Frankfurter Rundschau) schreibt, Demme habe mit der Verfilmung des "unsentimentalen, aber anrührenden Scripts" sein Werk "auf den Kopf gestellt". Durch Handkamera und "zum Improvisieren ermutigten Ensemble" zeige er hier die "das Leben als Quelle einer ebenso unlogischen wie metaphernfrei wütenden Dynamik."

Susan Vahabzadeh (Süddeutsche Zeitung) fühlte sich an Thomas Vinterbergs Das Fest und Robert Altmans The Wedding erinnert. Es sei ein Ensemblefilm: "Kym steht ein wenig mehr im Zentrum von Rachels Hochzeit als die anderen; aber im Prinzip beansprucht jeder in dieser Familie seinen Raum, trägt tatsächlich bei zu jeder Szene, in der er dabei ist."

Ekkehard Knörer (taz) lobt, der Film nähere "sich dem Dokumentarischen an, aber eher in dem Sinn, dass jeder Spielfilm auch eine Dokumentation der Rollen-Performances seiner Darsteller ist. Was er so in den Blick bekommt, ist das Prozesshafte, das versuchsweise Finden, das Umschlagen von Tönen. Echt an dieser Methode ist gerade das Forcierte.

Demme entlässt so nicht zuletzt das Drehbuch Jenny Lumets in die Freiheit." Denn dieses sei trotz einiger "brillanter" Ideen, Dialoge und Momente doch recht konventionell. "Der Film zerfleddert das Buch, blickt so lange auf die darin vorgegebenen klaren Linien, bis die falsche Klarheit vor den Augen zu verschwimmen beginnt."

Auch Christian Buß (Spiegel Online) war begeistert: "Leichthändig unterwandert der Regisseur Jonathan Demme die übliche Analogie von der Familie als Verdrängungsapparat. Die Sippschaft in diesem Drama ist aufgeschlossen und aufgeklärt. Ein amüsanter Haufen von Ostküsten-Ökos - also das Gegenstück zu den spießigen Vorortfamilien, denen man sonst in amerikanischen Mittelstandsporträts begegnet. Die Botschaft lautet: Auch die freisinnigste Umgebung schützt vor Traumata nicht."

Martin Schwickert (Tagesspiegel) schreibt, das "Home-Video-Verfahren ist gewöhnungsbedürftig, aber die Kamera als unmittelbar reagierender Beobachter stellt eine produktive Unübersichtlichkeit her, in der sich das Publikum als Hochzeitsgast immer wieder neu orientieren muss. (...) Mit Rachels Hochzeit ist Demme ein berührendes Familienporträt gelungen, das nichts gemein hat mit den harmoniesüchtigen Verklärungsmechanismen, mit denen Hollywood üblicherweise seine 'family values' verhandelt."

Anlässlich der Aufführung beim Filmfestival von Venedig 2008 schrieb Wolfgang Höbel von Spiegel Online, Demmes Film sei "durchaus hemmungsloses amerikanisches Heulkino im schraddeligen Independentlook, aber zugleich ein Kunstwerk an Lässigkeit". Michael Althen von der FAZ lobte, mit dem "famosen Kameramann" Declan Quinn habe Demme einen Stil gefunden, "der so authentisch wirkt, dass kaum je der Gedanke an Schauspielerei aufkommt, weil man meistens meint, einem Hochzeitsvideo beizuwohnen".

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