Filmkritik:
Räuber Kneißl
D 2008 R: Marcus H. Rosenmüller D: Maximilian Brückner, Brigitte Hobmeier, Maria Furtwängler, Michael Fitz, Florian Brückner, Thomas Schmauser, Andreas Giebel 114 Min. Filmwebsite
Als Wilderer und Diebe hält sich die Familie Kneißl notdürftig über Wasser, immer wieder schlägt sie der Obrigkeit ein Schnippchen. Doch dann verlässt sie das Glück: Der Vater wird auf der Flucht von der Polizei erschlagen, die Mutter muss ins Gefängnis. Kurz danach wird auch Mathias Kneißl wegen einer Schießerei unschuldig eingesperrt. Als er endlich aus der Haft entlassen wird, steckt er voller Zukunftspläne: Er will ein anständiges Leben führen und träumt davon, mit seiner großen Liebe Mathilde in Amerika neu anzufangen. Doch dafür fehlt das Geld, denn ehrliche Arbeit bekommt der "Zuchthäusler" nicht. In seiner Not lässt er sich auf einen "todsicheren" Raubzug ein ...
Von Regisseur Marcus H. Rosenmüller liefen bereits Beste Gegend, Beste Zeit, Schwere Jungsund Wer früher stirbt, ist länger tot in den deutschen Kinos.
Josef Lederle ( Filmdienst) bedauert, dass Marcus H. Rosenmüller sich wenig um die sozialen Hintergründe der historischen Person Matthias Kneißl kümmere und auch der "hohe Aufwand und Detailfreudigkeit" würden "am Ende zu wenig mehr als einem traurigen Schicksal zusammenschnurren". Doch "lässt man die historische Figur und die Frage ihrer Interpretation allerdings außen vor und übergeht den verstolperten ersten Akt, der atemlos die komplizierte Vorgeschichte skizziert, entfaltet sich ein anregend-amüsantes, mitunter burleskes Drama, das durch seine lokalen Eigenheiten zumindest dort für sich einnimmt, wo man diese dekodieren kann." Maximilian Brückner spiele "mit feinem Understatement", seine Gegenspieler kommen über Typen nicht hinaus.
Rainer Gansera ( Filmdienst) nennt den Film ein "packendes, brillant besetztes" Drama, das den Held "als ambivalente Figur, Täter und Opfer zugleich" zeige. "Stilistisch ist Rosenmüllers Räuber Kneißl das genaue Äquivalent zu einer Moritat, man kann sich den Regisseur wie einen Balladensänger mit Bildertafel auf dem Jahrmarkt vorstellen. (...) Das Provinzielle geht hier mit dem Weltläufigen zusammen, die bodenständigen bayerischen Geschichten werden in einem Stil inszeniert, der sich an amerikanischen Vorbildern orientiert." Der Film finde "eindrucksvolle Bilder" für die Tragik des Helden. Den Kontrast bilden "Sehnsuchtsbilder", die "ausdrücklich in Western-Referenzen gefasst" werden. Der Film sei "Abenteuerfilm und Lovestory, Räuberdrama und Sittenschilderung, und vor allem, was es seit der Stummfilmzeit nie wieder gab: ein bayerischer Western."
Kerstin Decker ( Tagesspiegel) mochte den Film. Er sei sehr bayrisch, durchaus intelligent und (wenn man von Landschaftsaufnahmen in Tchechien mal absieht) "authentisch von der ersten Tannennadel an". Es entwickele sich ein "eigener Sog der Ausweglosigkeit – verstärkt und besiegelt zugleich durch eine große Liebe (Brigitte Hobmeier) und ebenso große Bilder der tschechischen Landschaft. Grundsolides Erzählkino, wie die ewigen Etikettierer sagen würden."
Die Süddeutsche Zeitung hat mit der Schauspielerin Brigitte Hobmeier gesprochen.
Wolfgang Höbel berichtete für Spiegel Online vom Münchner Filmfest, auf dem Marcus Räuber Kneißl gezeigt wurde. Der Kritiker hält das Werk für missglückt: "Jeder noch so turbulente Fernseh-'Komödienstadl' seligen Angedenkens wirkt subtil angesichts Rosenmüllers grobschlächtiger Regie-Einfälle".
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