Filmkritik:
Rang de Basanti - Die Farbe Safran
Indien 2006 R: Rakesh Omprakash Mehra D: Aamir Khan, Siddarth, Sharman Joshi, Kunal Kapoor, Atul Kulkarni, Alice Patten, Madhavan Filmwebsite
Eine Britin will in Delhi einen Low-Budget-Film über indische Revolutionäre während der Kolonialzeit drehen. Die Studenten, die die Rollen der Unabhängigkeitskämpfer übernehmen, wandeln sich im Lauf der Dreharbeiten durch ein katastrophales Ereignis von ziellosen Herumtreibern zu politisierten Radikalen.
Felicitas Kleiner (Filmdienst) findet die politischen Wendungen des Films durchaus "fragwürdig", gesteht aber ein, dass der Film der indischen Jugend offenbar "einiges an Identifikationspotenzial bietet". Jedoch: "Dem deutschen Publikum wird der Zugang schwerer fallen: Die Inszenierung der Jugendkultur in der ersten Hälfte wirkt altbacken und zu forciert, um 'cool' oder 'hip' zu sein; der Humor ist für westliche Ohren oft etwas überdreht und peinlich. Ebenso irritieren dürfte das ungebrochene Pathos des 'Film im Film'. Nichtsdestotrotz sorgen stiller inszenierte Sequenzen, in denen die Probleme der indischen 'lost generation' gezeigt werden, dafür, dass man allmählich doch einen Zugang zu den Figuren findet; wenn in der zweiten Hälfte aggressiv politische Missstände aufs Korn genommen werden und die Ereignisse mehr und mehr eskalieren, kann man sich der inszenatorischen Wucht, mit der der Film in die Tragödie schlittert, nur noch schwer entziehen."
Peter Zander von der Welt ist recht ungehalten über die politische Botschaft, die der "merkwürdige Film" anscheinend vermittelt: "Zugegeben, das Bollywood-Kino verliert sich sonst in Exotismus und Eskapismus pur. Politische Töne findet man dort selten. Aber was hier zu sehen ist, ist doch nur Rekrutierung zu Selbstjustiz und Terrorismus. Und das wird auch noch gutgeheißen, als Dienst an der Nation gefeiert."
Sebastian Handke (Tagesspiegel) spricht von "einem der ungewöhnlichsten indischen Mainstreamfilme der letzten Zeit", der "sicher einer der sehenswertesten jungen indischen Filme" sei. Auch er thematisiert die Haltung des Films zur politischen Gewalt, sieht darin aber kein großes Problem: "Wie viele politische Filme aus Indien ist er hoffnungslos didaktisch. Für Zuschauer, die an den psychologischen Realismus des US-amerikanischen Kinos gewöhnt sind, ist die Verwandlung der Jugend schwer nachzuvollziehen. Davon abgesehen ist Rang De Basanti ein höchst unterhaltsamer Film, der zumindest eines nicht zulässt: Dass man das Kino mit einem gleichgültigen Schulterzucken verlässt."
Dorothee Wenner (taz) zeigt sich zunüchst sehr angetan: "Das äußerst clevere Drehbuch, das mit Hilfe von Bollywood-Traditionen alle Unglaubwürdigkeiten der Geschichte großartig überspielt und sich mit prima Musikeinlagen und großen Bildern eines wahrhaft ambitionierten Stoffes annimmt, ist neues indisches Cross-over-Kino vom Feinsten. Nach der Ära der melodramatischen Family-Films ist Rang de Basanti vielleicht sogar zukunftweisend, insofern es dem Regisseur Rakeysh Omprakash Mehra tatsächlich gelungen ist, politisch anspruchsvolles Auteur cinema kommerziell erfolgreich mit Bollywood zu vereinen." Allerdings hinterlässt der Film bei Wenner dann doch ein "merkwürdiges Unbehagen", der mit seiner politischen Haltung zu tun hat. Die "durchaus spannende Narration" manövriere "an Abgründen, die in diesem Film an entscheidenden Stellen so salopp umtänzelt werden, dass man Bollywoods neues Interesse an indischer Geschichte doch nur für simple Kulissenschieberei halten könnte".
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