Die Filmstarts vom 3./4. Oktober 2007
  Anderland
  Geliebte Jane
  Immer nie am Meer
  Lady Chatterley
  Monks - The Transatlantic Feedback
  Paris was a woman (WA)
  Planet Terror
  Preußisch Gangstar
  Prinzessin
  Ratatouille
  Stellungswechsel
  Still Life
  Superbad

A B C D
E F G H
I J K L
M N O P
Q R S T
U V W X
Y Z 0-9

Durchsuchen Sie unsere Website:

Aktualisiert am 05.10.2007

Filmkritik:

Ratatouille

Ratatouille

USA 2007 R: Brad Bird dt. Stimmen: Axel Malzacher, Stefan Günther, Gudo Hoegel, Donald Arthur, Elisabeth von Koch, Manuel Straube, Jürgen Thormann, Tim Mälzer 111 Min. Filmwebsite
Ratte Remy ist ein Gourmet und bringt zusammen mit dem Küchenjungen Linguini ein Pariser Spitzenrestaurant auf dem absteigenden Ast kulinarisch wieder auf Vordermann.

Jörg Gerle vom Filmdienst ist ganz hingerissen von der neuesten Kreation aus dem Hause Pixar: "Eine der größten Leistungen haben Drehbuchschreiber und Animatoren nun mit der Ratte Remy vollbracht: Der Racker ist für einen Vierbeiner, der sich normalerweise durch jeden Schlitz im Komposthaufen zwängen kann, erstaunlich groß; seine Ohren, die jeden Angriff von hysterischen Omas bereits aus sicherer Entfernung wahrnehmen können, sind trotzdem etwas überdimensioniert, sein aschgraues Fell ist viel zu kuschelig für die Kanalisation. Die riesigen Augen passen mit der zartrosa Knuddelnase perfekt in jedes Kindchenschema und ersticken jede Ratten-Phobie im Ansatz, sodass man, wenn man nach Ratatouille aus dem Kino kommt, unwillkürlich nach den pelzigen Tieren Ausschau hält, um ihnen in der heimischen Küche ein neues Zuhause anzubieten." Dabei sei es "weniger die zugegebenermaßen wieder hinreißend perfekte 3D-Animation", "die den Zuschauer in den Bann zieht, als die Seele, die aus jedem Detail strömt. Hier geht es nicht um Naturalismus, hier geht es um Emotionen. (...) Ratatouille lebt von einer Leichtigkeit, die ohne Krampf und Sentimentalität unbeschwert zwischen Action, Comedy und Melodram changiert."

"So viel Körperkomik wie in Ratatouille gab es seit der Stummfilmzeit nicht mehr zu sehen", jubelt Martin Zeyn (taz). Und weiter: "Nicht nur beim rasanten Slapstick verschlägt einem die Animation immer wieder den Atem. Zum ersten Mal gelingt dem Trickfilm auch ein flirrend herbstliches Abendlicht, das den Schauplatz Paris vergoldet. Mindestens genauso eindrücklich, wenn auch nicht so überwältigend, ist das Figurendesign." Zeyn betont: "Dieser Film ist kein Kinderfilm. Spitzenrestaurants, Gastronomiekritiker, Haute Cuisine, Testamentsverfügungen: Die Eckpfeiler dieser Story sagen Kindern kaum etwas."

Hanns-Georg Rodek von der Welt lobt, eine "Meisterschaft im Detail" wohne "jedem Bild von Ratatouille inne, angefangen bei den kupfern funkelnden Kochtöpfen über das wunderbar poröse Brot bis zur unterschiedlichen Durchsichtigkeit von nassen und trockenen Früchten. Solch subtile Graduierung in Licht- und Farbsetzung erwarten wir von Gemälden und nicht im Trickfilm." Und über Remy schreibt er: "Er ist auch, bei allem Fotorealismus der Computeranimation, unverkennbar eine Trickfigur; allerdings mit einem Nuancenreichtum im Ausdruck, die manch menschlichem Darsteller nicht zu Gebote steht." Ratatouille habe "einen Hang zum Heimeligen und vermag doch aus dem Stand in eine wilde Verfolgungsjagd oder Keatonesken Slapstick oder eine böse Spitze auszubrechen".

" Ratatouille markiert einen Wendepunkt für Pixar", meint Fritz Göttler von der Süddeutschen Zeitung, "und der Film wirkt, als wäre man sich der Bedeutung des Augenblicks bewusst, was die Geschichte des Zeichenfilms angeht - wird der Computer dominieren, wird es nicht doch wieder Versuche mit der guten alten 2D-Technik geben? -, aber auch was die amerikanische Gesellschaft angeht. Bislang wurde diese als Fastfood-Territorium verteufelt, seit einigen Jahren haben die Leute auch dort die Lust am besseren Essen entdeckt. In diesem Sinne tut Ratatouille alles, um dem Lustprinzip zur Herrschaft zu verhelfen."

Sebastian Handke (Tagesspiegel) stimmt in den Jubelchor ein: "Pixar-Filme unterschieden sich immer schon von Filmen wie Shrek oder Ice Age, weil sie keine billigen Witze machen, sondern Geschichten von Figuren erzählen, die Herz und Seele besitzen – und manchmal sogar psychologisches Profil. Ratatouille wirkt wie ein kleiner, unbeschwerter Film und ist doch Pixars vielschichtigstes Werk, so voller Details, dass man gar nicht weiß, wo man hingucken soll. Zugleich glänzt der Film mit herrlich balletösem Slapstick wie aus Hollywoods Stummfilm-Ära und mit wilden Jagden über Häuserwände, durch Abwasserkanäle und ein prächtig leuchtendes Paris." Ratatouille sei "ein wunderbarer Film und ganz gewiss Pixars größter künstlerischer Erfolg".

Jenny Hoch (Spiegel Online) hat eine "zauberhafte Geschichte" gesehen, in einer "liebevoll detailgetreuen Gastronomie-Welt" auf "technisch allerhöchstem Niveau". Doch ist sei "nicht nur die technische Brillanz", mit der Ratatouille besteche: "Regisseur Brad Bird ( Die Unglaublichen, Findet Nemo) erzählt die eigentlich abstruse Geschichte vom Aufstieg einer Ratte vom Müllverwerter zum Gourmet-Koch so lustig und rasant, das man die abgenudelte Botschaft (Lebe deinen Traum!) gerne mitnimmt. Dabei gelingt ihm das Kunststück, mit einem negativ besetzten Tier als Hauptfigur in einem elitären und snobistischem Umfeld (Spitzengastronomie in Frankreich) einen ebenso herzerwärmenden wie intelligenten Familienfilm zu machen, der alles andere als reines Popcorn-Kino ist."

Daniel Kothenschulte ( Frankfurter Rundschau) lobt, Pixar verteidige "die Tugenden des Animationsfilms in einer Ödnis aus Unfug und Mittelmaß". Der Film überschütte uns "mit einer Einfallsfülle, wie man sie tatsächlich seit den Tagen des klassischen Disney in dieser Filmform kaum erlebte. Wie nur wenige neuere Filme - aber jedes gute Essen - weckt seine Rattenkomödie den Wunsch, gegen alle Gebote der Sättigung einen Nachschlag zu fordern". Zudem zeige der Film die beste Darstellung eines Menschen in einem computeranimierten Film bisher.

Andreas Platthaus ( FAZ) lobt, der Film sei "selbstverständlich (...) perfekt animiert", er weise eine "überaus opulente Farbabstimmung" auf, für die erstmals ein "Shading Art Director" zuständig war, und "bei der Gestaltung der Figuren hat Bird mit Ausnahme der Ratten den karikaturesken Stil der Unglaublichen bewahrt". Doch sei es auch "bei aller Liebenswürdigkeit der erste Pixar-Film seit Findet Nemo, wo die Niedlichkeit zu viel Raum einnehmen darf. Ja, man möchte dahinschmelzen beim Anblick der Ratten, aber über deren virtuose Lebendigkeit kommt das Sozialgefüge zu kurz." Eine Liebesgeschichte senke "Spannung und Tempo (...). Bewährtes erfreut, aber hier hat Bird denn doch zu sehr auf die gute alte Disney-Tradition gesetzt."

Thomas Binotto ( NZZ) ist der Ansicht, der Film setze einen "neuen Massstab in Sachen technische Perfektion", doch sei dies hier "nur Mittel zum Zweck und nicht der eigentliche Grund für dessen herausragende Stellung in der Trickfilmgeschichte. Ähnlich wie Walt Disney ist Pixar-Chef John Lasseter vor allem ein genialer Geschichtenproduzent und damit dessen würdiger Nachfolger." Brad Bird sei ein "Glücksfall für das Genre", ein "wunderbarer Erzähler", der auch den "Atem für einen zweistündigen Spannungsbogen" besitze. Der Film nutze aber auch die Möglichkeiten des Trickfilms: "Die Bilder sind zwar von einer überwältigenden Detailversessenheit, aber es sind immer noch Zeichnungen, in denen die Realität bewusst stilisiert und verfremdet wird, bevölkert von Wesen, die innerlich Charaktere und äusserlich Karikaturen sind."

Frank Arnold ( epd Film) meint, der Film sei wie eine Ratatouille. Es seien "bewährte Zutaten, die hier zum Einsatz kommen. Das Originelle besteht darin, wie sie zusammenfügt sind. Der Film besticht durch perfektes Timing, etwa bei einer Verfolgungsjagd durch die Großküche oder dem ausgeklügelten Zusammenspiel der Ratten beim gemeinsamen Kochen. Vor allem aber erobert er das Herz großer und kleiner Zuschauer durch den Charme der Ratte Remy, deren Gesten und Bewegungen mit liebevoller Perfektion gezeichnet sind.(...) Regisseur Brad Bird ist ein eindringliches und amüsantes Plädoyer für das Besondere gelungen."

Was läuft wo?
Welcher Film, welche Stadt, welches Kino, welche Uhrzeit - finden Sie's raus mit dem Cinema-Kinotimer