Filmkritik:
Requiem for a Dream
USA 2001 R: Darren Aronofsky D: Ellen Burstyn, Jaret Leto, Jennifer Connelly Filmwebsite
Bei cinebiz wird der offensichtlich sehr drastische Film über vier Süchtige, basierend auf einem Roman und Drehbuch von Hubert Selby, recht kurz abgehandelt. Also befassen wir uns gleich mit Rüdiger Sturm vom Spiegel. Der Film hat ihn so begeistert, dass er ihm an Turbulenz nachzueifern trachtet, was den Artikel etwas reißerisch werden lies. Nun denn: Der Film sei "kein Sozialdrama sondern ein Monsterfilm", gespickt mit "Horrorszenarien". Der Film sei eine "eine Attacke auf das zentrale Nervensystem" usw. Lobend erwähnt (kleiner Scherz) werden der schnelle Schnitt, Ellen Burstyn, der gute Einsatz der Computeranimationen, der Sound und die Musik. Kritik gab es für den Verleih, der den Film Deutschlandweit mit nur einer Kopie herausbringt. (Who's the lucky one?)
Diese eine Kopie läuft in 3 Berliner Kinos, erfahren wir im Tagesspiegel. (Es geschehen also noch Zeichen und Wunder) Kerstin Decker fühlt ausführlich mit den Charakteren des Films mit, erzählt so einige Episoden. Ihr Fazit: "Die Kühleren würden ihn vielleicht als gelungenen Anti-Sucht-Film preisen. Hier, seht, wohin Fernsehen und Rauschgift uns führen! Aber das ist nicht seine Ebene, es ist nur eine seiner Wirkungen. Aronofskys Blick ist metaphysischer und profaner, allgemeiner zugleich. Ihn interessieren die Erniedrigungen, die Menschen Menschen zufügen können - und vor allem: diese sich selbst. Dass es hier keine Grenzen gibt, ist vielleicht die verstörendste Erfahrung dieser zwei Stunden. So klein, so ausgeliefert sollen wir sein? Es ist ein Staubkörner-Blick auf Menschen. Wie verwehbar sie sind."
Ekkehard Knörrers Kritik ( Jump-Cut) wirft ausgiebig mit Fremdwörtern um sich, aber keine Angst, es gibt ja angelaufen.de: "Besser als dem verwandten Naked Lunch gelingt ihm die Evokation (laut Duden: Erweckung von Vorstellungen od. Erlebnissen) subjektiven Drogenerlebens, weniger indem er grässliche Visionen zeigt (...), sondern indem er objektive filmische Äquivalente für Erfahrungsdissoziationen (laut Duden Zerfall, Trennung, Auflösung) findet." Film also gut.
Auch Eberhard von Elterlein von der Welt ist begeistert. Zu Beginn des Films gelinge es Aronofski, uns die Protagonisten so ans Herz zu legen, dass wir später, wenn die Schnitte und Bilder wilder werden, mit ihnen mitlitten. "Und warum tun wir das? Weil uns Aronofsky keine Wahl lässt. Er filmt nicht als distanzierter Betrachter, sondern als unmittelbar Beteiligter. Er bebildert kongenial die inneren Landschaften seiner Figuren: Entfremdung zwischen Mutter und Sohn hier (split screen), das trügerische Glück des schnellen Rausches dort (Zeitraffer)."
Rüdiger Suchslands Kritik in der Frankfurter Rundschau ist ähnlich lobend und schön formuliert. Aronofsky sei "ein mutiger Regisseur, der gern Neues ausprobiert, mit den Mitteln spielt und sich weniger für das Erzählen interessiert, als für eine Atmosphäre." Sein Film, "der stets der Versuchung, billig auf Thesenhaftes auszuweichen, entgeht, weckt Sinn für das Lebensgefühl der Depression, zeigt verstörende Innenansichten aus der Seele fast alltäglicher Personen in der Zwickmühle zwischen öffentlichem Zwang und privater Malaise, zwischen dem Bedürfnis, das Gesicht zu wahren und nackter Verzweiflung." Die Schauspieler seien klasse.
Infos zu diesem Titel
• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo, Dolby Digital 5.1)
• Bildformat: 16:9, 16:9
• Dolby, DTS Surround Sound, Surround Sound, PAL
• Laufzeit: 97 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 4. Februar 2003
• Produktion: 2000
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