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Aktualisiert am 20.02.2009

Filmkritik:

Revanche

Revanche

Österreich 2008 R: Götz Spielmann D: Johannes Krisch, Irina Potapenko, Ursula Strauss, Andreas Lust, Hannes Thanheiser, Hanno Pöschl, Toni Slama, Magdalena Kropiunig, Rainer Gradischnig 121 Min. Filmwebsite
Alex arbeitet als Fahrer und Handlanger des Bordellchefs Konecny. Er unterhält eine heimliche, verbo­tene Beziehung zu einem der Mädchen des Etablissements, der Ukrainerin Tamara. Nicht nur ihre Liebe verbindet die beiden, sondern auch der Wunsch, diesem miesen Leben zu entkommen. Als Konecny Tamara von einem seiner Freunde aus der Unterwelt brutal misshandeln lässt, ist der Zeitpunkt für die Flucht gekommen. Um das notwendige Geld zu organisieren, will Alex eine Bank überfallen, in einer kleinen Stadt auf dem Land.
Von Götz Spielmann lief zuletzt Antares in den deutschen Kinos.

"Der österreichische Regisseur Götz Spielmann ist ein Meister moderner Sittengemälde", meint Julia Teichmann vom Filmdienst, das habe er schon in seinem "düsteren Plattenbau-Triptychon" Antares gezeigt. In Revanche zitiert er das "Genremuster eines Thrillers ebenso locker, wie sein Antiheld Alex der Geliebten die Idee erläutert". Kameramann Martin Gschlacht schaffe dabei "Tableaus von unheimlicher Klarheit", die Dialoge des Autors Spielmann "stimmen auf den Punkt genau, nie wird zuviel gesagt oder zu wenig". Revanche sei "letztlich optimistisch, dem Glauben an das Gute im Menschen verhaftet: einem zutiefst humanistischen Glauben an den Wert zwischenmenschlicher Beziehungen und daran, dass es doch möglich ist, sich zu ändern".

Barbara Schweizerhof beschreibt bei epd Film das "Kunststück", das Götz Spielmann vollbringt, so: "Er erzählt die bekannte Geschichte vom Mann, der sich dafür rächen will, dass man ihm sein Liebstes genommen hat, mit so viel Bodenhaftung, so konkret aus bestimmten Tätigkeiten, einer bestimmten Umgebung und Zeit heraus, dass sie aktuell und geradezu geheimnisvoll erscheint – und ihr Ausgang überrascht". Außerdem zeichne sich der ganze Film durch seine "entschiedene Unsentimentalität" aus.

" Revanche ist für den Oscar in der Kategorie des besten nicht-englischsprachigen Films nominiert. Das ist aber auch das Mindeste", stellt Heike Kühn von der Frankfurter Rundschau fest. Am Ende dieser "visuell geglückten Morallehre" komme es zu einem Dialog zwischen Robert, dem gepeinigten Todesschützen und Alex, dem gepeinigten Schießwütigen, der "beweist, dass man im Kino in Bildern denken kann, ohne die Schönheit und Tiefe des Gefühls ausblenden zu müssen".

" Revanche ist der bisher mit Abstand beste Film des österreichischen Regisseurs", meint Bert Rebhandl von der taz. Götz Spielmann führe seine Protagonisten "auf einander zu, ohne dass sie jemals den Überblick über das Geschehen gewinnen könnten, den das Publikum hat. Das ist eine für österreichische Regisseure nicht untypische Erzählhaltung, bei der der Suspense daher rührt, dass wir den Figuren dabei zusehen können, wie tapfer oder wie hilflos sie mit ihrer unübersichtlichen Lage zurechtkommen". Er bleibe "bedingungslos auf der Seite seiner Figuren und belässt ihnen eine Würde, die sie gerade dadurch gewinnen, dass sie etwas durchleben, was wir schon durchschauen".

" Revanche ist einer dieser raren Filme, bei denen man als Kritiker die Waffen streckt", gesteht Julian Hanich vom Tagesspiegel. Es gebe hier "nichts, aber auch gar nichts auszusetzen": "Der Film hat eine komplexe Erzählung von existenzieller Tiefe. Die Kamera arbeitet hoch konzentriert. Alle Rollen sind großartig besetzt. Die Dialoge kommen treffsicher und messerscharf. Und die Beschreibung der Milieus besticht mit geradezu soziologischer Genauigkeit. Ein Kandidat für jede Jahresbestenliste. Herausragend".

Für Thomas Rothschild vom Freitag meint, dass die Qualität von Revanche in der "Inszenierung einer melancholischen Einsamkeit" liege, vor allem im zweiten Teil des Films, nach einer "eher reißerischen Exposition".

Cosima Lutz von der Welt bemerkt: "Eine derart mit überraschenden Wendungen gespickte, zugleich aber fast geometrisch ausbalancierte Konstruktion könnte leicht zur blutleeren Masche werden (...), hätte Spielmann für sein durchaus moralisches und hochemotionales Kino nicht dieses virtuos zurückhaltende und kraftvolle Ensemble gefunden".

Revanche lief 2008 in der Panorama-Sektion der Berlinale.
Dietmar Kammerer von der taz meinte, der Filme habe in seiner die stärksten Momente - in den "Kontrasten, Zuspitzungen und Auflösungen". Trotz eines "Hangs zur Übererklärung" gelinge Spielmann die "intensive Studie eines Mannes, der weiß, dass er nichts mehr geradebiegen kann, und seiner Wut dennoch eine Richtung geben muss".
Wir fanden den Film gelungen: " Revanche handelt von Rache und Vergebung, Schicksal und Zufall und erzählt in ruhiger, bis zum eigenwilligen Schluss fesselnder und genau beobachtender Weise. Dies ist weder ein Kriminal- noch ein Heimatfilm, auch wenn es um Verbrechen geht und um die Kraft - und Gleichgültigkeit - der Natur. Regisseur Götz Spielmann (der auch das Drehbuch verfasst hat) war so mutig, mit den herkömmlichen Erwartungen an einen derartigen Stoff zu brechen: Am Ende bleibt die dramatische Zuspitzung aus, es gibt weder die objektive Klärung des Falles noch den Showdown. Stattdessen führt Spielmann den gepeinigten Protagonisten in eine große Stille hinein, die sich in den klaren Bildern und der musikfreien Tonspur irgendwie schon angekündigt hatte.

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