Filmkritik:
Giulias Verschwinden
Schweiz 2009 R: Christoph Schaub D: Corinna Harfouch, Bruno Ganz, Stefan Kurt, André Jung, Sunnyi Melles, Teresa Harder 87 Min. Filmwebsite
Der tolle 50ste Geburtstag. Die Feier im Restaurant ist geplant. Die engsten Freunde machen sich hübsch, streiten über Bauch und Falten, bekommen Wadenkrämpfe beim Sex - da verschwindet das Geburtstagskind. Es ist die schöne, aber nun mit 50 unsichtbare Giulia, sie streift ziellos durch die Läden, durch die Stadt und trifft einen gut aussehenden Mann, mit dem sie kurzerhand zum Tête-à-tête in eine Bar aufbricht. Leidenschaftlich verliert sie sich im Gespräch mit ihm und merkt, dass es für eine Liebe nie zu spät ist.
Unterdessen warten ihre Gäste und steigern sich mit zunehmendem Alkoholgenuss in eine philosophische Debatte über den Sinn des Lebens. Und dann kommt Giulia ...
Von Christoph Schaub liefen bereits zwei Dokumentarfilme - Die Reisen des Santiago Calatrava (2002) und Bird's Nest - Herzog & de Meuron in China (2008) - sowie der Spielfilm Stille Liebe (2003) in deutschen Kinos.
Für Nina Zimnik vom Filmdienst ist der Film an vielen Stellen "alles andere als glaubwürdig". Giulias Verschwinden verankere die Geschichte "dort, wo das 'Alter, die Jugend und andere Ewigkeiten' normalerweise liebevoll verhandelt werden: nach 20.15 Uhr im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zwischen Rosamunde-Pilcher- und Utta-Danella-Verfilmungen". Der Regisseur bereite "sexistische und altersdiskriminierende Realitäten als harmloses Märchen für 'Silver Agers' auf".
Christian Buß von Spiegel Online kann diesem "Schweizer Konversationskomödchen" nicht viel abgewinnen: "Wenn seinen Charakteren schon nichts anderes bleibt, als sich über das Reden gegen die Bürden ihres fortgeschrittenen Alters hinwegzuhelfen, dann sollen sie schon einen wirklich tollen Satz nach dem anderen sagen dürfen". Der Duktus und die Dramaturgie dieses "kleinen Lebenskrisenszenarios" wirkten manchmal "etwas gedrängt, bei all dem verbalen Getöse vergisst der Film manchmal das Atmen". Immerhin gebe es "manche wirklich gelungene Szene".
"Mittfünfziger am Rande des Nervenzusammenbruchs: Da ist viel Bosheit und eine ganze Menge Überzeichnung im Spiel, Wortwitz, Tempo und durchaus generationsbedingte Dringlichkeit", schreibt Christina Tilmann vom Tagesspiegel.
Rüdiger Suchsland schreibt in der Welt, der Film reite "auf dieser 'wie lustig ist das Alter'-Welle". Schuld an der "Misere" Martin Suter, der Vorlage und Drehbuch zu Schaubs Film beisteuerte; allmählich scheine er sich "zu einer Art schweizerischer Rosamunde Pilcher zu entwickeln".
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