Filmkritik:
Up in the Air
USA 2009 R: Jason Reitman D: George Clooney, Vera Farmiga, Anna Kendrick, Jason Bateman, Danny McBride, Melanie Lynskey, Amy Morton, Sam Elliott 110 Min. Filmwebsite
Ryan Bingham ist 322 Tage im Jahr per Flugzeug unterwegs, zu Firmen irgendwo in den USA. Dort übernimmt er die unliebsame Aufgabe, Mitarbeiter über ihre Entlassung zu informieren. Ryan selbst hat nur ein Ziel: Er will der siebte Mensch werden, der als Frequent Flyer die 10.000.000-Meilen-Schallmauer durchbricht. Doch dann lernt er auf einer seiner Reisen am Flughafen eine verwandte Seele kennen, die Geschäftsfrau Alex. Gleichzeitig droht sein Berufsleben aus der Bahn zu geraten, als sein Job wegrationalisert werden soll. Nach dem Roman von Walter Kirn.
Jason Reitman führte auch Regie bei Juno und Thank You for Smoking.
Jan Schulz-Ojala vom Tagesspiegel hat eine "todernste Komödie zum Totlachen" gesehen. Schon in seinen "brillanten, scheinbar mainstreamigen Filmen" Thank you for Smoking und Juno habe hat Jason Reitman "mit den Klischees nur gespielt, um sie alsbald listig zu demontieren". Up in the Air sei "alles andere als der platt kapitalismuskritische Film zur großen Krise", der Regisseur interessiere sich "vielmehr – und stets imponierend präzise – vor allem für Milieus" und habe eine "federleichte Meditation über Freiheit und Einsamkeit" produziert.
Katharina Zeckau vom Filmdienst lobt, dass Up in The Air "nie mit moralistisch erhobenem Zeigefinger die 'wahren' Werte des Lebens gegen die so genannten 'falschen'" ausspielt - dafür seien die Figuren "zu sehr Anti-Helden und ist der Tonfall des Films zu perfekt zwischen bissiger Komödie und stiller Tragödie austariert". Ryan Bingham sei eine "wunderbare Figur, da sie in kein Klischee passt", und ihrem Darsteller eröffne sie "ein ziemlich unbeackertes Feld: Weder entspricht die Rolle dem Image des Supersmarten, wie es George Clooney gerne für Steven Soderbergh bedient, noch dem des eitlen Volldeppen, den er wiederholt für die Coen-Brüder gab".
"Ganz unverhohlen stellt Jason Reitman in Up in the Air die Frage nach dem Lebenssinn, wobei er eigentlich nur eine Antwort kennt: das Familienglück und sonst nichts", meint Harald Peters von der Welt. Dank "wunderbarer Dialoge" sieht er aber "selbst über die aufdringlichsten Ansätze von Publikumserziehung gnädig hinweg". Inhaltlich sei das alles zwar "ein bisschen fad", doch an der Ausgestaltung sei "nichts auszusetzen".
Peter Körte von der FAZ bmerkt, Reitmanhabe sich "die Agilität seines Protagonisten zu eigen gemacht, so flüssig gleitet der Film dahin"; doch "so etwas wie eine Geschichte" komme dabei "nur mühsam in Gang", weshalb der Regisseur auch "vor dem seltenen Problem steht, eine gut geölte und versiert bediente Maschinerie ins Stocken zu bringen". Dass Up inthe Air "nie ganz abstürzt", sei George Clooneys Verdienst, der "so viel Charme, Eleganz und Flair verbreitet wie seit Cary Grant kein amerikanischer Schauspieler mehr". Er halte den Film in einer "prekären Schwebe zwischen Komödie und Tragödie".
Auch Martin Wolf von Spiegel Online vergleicht Clooney mit Cary Grant, dessen zeitgenössischer Wiedergänger" er sei: "Wohl kein anderer Schauspieler kann derzeit so überzeugend einen sympathischen Kotzbrocken verkörpern. Clooneys Image, eine Mischung aus Gentleman und charmantem Filou, konterkariert und übersteigert die fiesen Seiten des Vollstreckers, den er spielt".
Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau meint, Reitman sei "etwas Außerordentliches" gelungen: "Er schafft eine allegorische Figur ohne einen Anflug des Aufgesetzten". Zu Recht sei dieser "wunderbare Film über die trügerischen Sicherheiten unserer Existenz" sechsfach für den Oscar nominiert.
Für Susanne Ostwald von der NZZ beweist der Rergisseur sein "feines Gespür für jüngste Verwerfungen im Fundament der amerikanischen Gesellschaft" und befindet sich "thematisch voll auf der Höhe der Zeit". Leider gleite diese Geschichte ab in "schales Problembewusstsein", da Reitman sie "nicht auf dem schmalen Grat zwischen Komödie und Melodrama zu halten vermag", woraus eine gewisse "Biederkeit" resultiere. Er steuere "nicht auf eine bissige Pointe, sondern auf eine menschelnde Moral hin". Clooney wirke unterfordert und "als smarter Typ viel zu glatt".
Tobias Kniebe von der Süddeutschen Zeitung schreibt über den Hauptdarsteller: "Dies ist die Rolle seines Lebens (...) Niemand wagt sich derzeit so nah an die neuralgischen Punkte der eigenen Star-Persona heran. Niemand zieht mehr Gewinn daraus". Der Film erinnere an die "besten der alten Screwball-Komödien", mit denen Up in the Air "in guten Momenten zu vergleichen man sich nicht zu scheuen braucht".
Kritisch zur Aussage des FIlms äußert sich Andreas Busche von der taz: "Für Reitman aber besteht die Obszönität nicht so sehr im Job Binghams, als vielmehr in dessen Lifestyle. Im Grunde verkennt Up in the Air, dass Bingham eine Phänomenologie der New Economy verkörpert, deren Brutalisierung sich bis in die sozialen Strukturen fortsetzt. Im Film klingt es umgekehrt eher so, als sei ein "beschädigter" Charakter wie Bingham zu seinem Lebensstil (und damit seinem Job) verdammt. Folglich genügt es Reitman, die Familie als positives Gegenmodell zu positionieren". Diesmal scheine Reitman "mit seinem eigenen Tempo nicht mehr mithalten zu können"; seine "wohlfeilen Zynismen" gingen "meist auf Kosten der Falschen".
"Kapitalismuskritik als Screwball-Comedy" hat Ijoma Mangold von der Zeit gesehen, als Komödie "ebenso geistreich wie komisch".
Barbara Schweizerhof vom Freitag schreibt über den Protagonisten und seinen Darsteller: "Bingham liebt weniger den Job als die Tatsache, dass er so gut darin ist. Und diesen Unterschied kann niemand besser darstellen als George Clooney, der sich eine Meisterschaft darin erworben hat, auf uneitle Weise Eitelkeit in ihrer Oberflächlichkeit darzustellen".
Die Süddeutsche Zeitung und der Tagesspiegel haben mit Jason Reitman gesprochen.
Die Welt berichtete im September 2009 vom Filmfestival in Toronto, wo sich Up in the Air als Oscar-Kandidat präsentiert habe.
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