Filmkritik:
Verdammnis
(Flickan som lekte med elden) Schweden/Dänemark 2009 R: Daniel Alfredson D: Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Peter Andersson, Lena Endre, Michalis Koutsogiannakis 129 Min. Filmwebsite
Ein junger Journalist bietet Mikael Blomkvist für sein Magazin "Millennium" eine hochbrisante Story an: Verdiente Amts- und Würdenträger vergehen sich seit Jahren an jungen russischen Frauen, die gewaltsam ins Land gebracht und zur Prostitution gezwungen werden. Blomkvist möchte die Geschichte groß herausbringen und beteiligt sich an den Recherchen. Auch Lisbeth Salander ermittelt - ohne Blomkvists Wissen. Sie entdeckt ein besonders pikantes Detail: Nils Bjurman, ihr ehemaliger Vormund, scheint in die Machenschaften der Mädchenhändler verwickelt zu sein. Kurze Zeit später werden der Journalist und Bjurman tot aufgefunden - und die Tatwaffe trägt Lisbeths Fingerabdrücke. Eine mediale und polizeiliche Hetzjagd auf sie beginnt.
Laut Peter Henning von der Zeit ist die Ästhetik dieses Films "eine ganz andere als im ersten Teil" Verblendung; Alfredson verlasse sich "ganz auf die treibende Kraft der Handlung", er entschlackt Larssons Original "geschickt dort, wo sich der Autor allzu detailversessen in seinem aufklärerischen Anspruch und seinen Seitenhieben gegen das von Korruption und Menschenverachtung unterwanderte schwedische Establishment zu verlieren droht". Das Resultat seien "129 rasante Kinominuten, die selbst jenen hartgesottenen Puristen Freude bereiten werden, die grundsätzlich nicht an die Übertragbarkeit von Literatur in Filmbilder glauben".
"Die politische Dimension der Romanvorlage wird zugunsten der Familienanamnese ausgeblendet; stattdessen lebt der Film seinen Sinn für Gothic Horror aus", schreibt Ulrich Kriest vom Filmdienst. Gegen Ende kippe Verdammnis "endgültig in die triviale Filmwelt von Bond & Co., in der schwerverletzte und geschundene Körper sich überraschend immer noch ein letztes Mal erheben". Dramaturgisch gelange der Film "kaum über einen 130minütigen Cliffhanger zum finalen dritten Teil Vergebung hinaus", der im Frühsommer starten soll.
Rainer Gansera von der Süddeutschen Zeitung stellt fest, der Regisseur Daniel Alfredson bleibe "dem erzählerischen und atmosphärischen Kern der Vorlage treu, schwankt zwischen drauflosfabulierender Fernsehkrimi-Dramaturgie und der Suche nach starken, genrehaften Kinobildern". Seine "soghafte Spannung" beziehe der Film aus der Konzentration auf die Figur der Lisbeth Salander, der er "geradezu mythische Dimensionen" verleihe - sie werde zur "archaischen Kriegerin stilisiert".
"Von Stieg Larssons tiefschwarzem Schweden-Bild ist in Daniel Alfredsons wirkungsvoll verschlankter und solide auf TV-Ästhetik runtergedimmter Verfilmung nicht viel übrig geblieben", findet Christina Tilmann vom Tagesspiegel. Das "Ereignis" der Filme sei Lisbeth Salander, eine "verzweifelte Einzelkämpferin, eine Black Lady mit übermenschlichen Kräften und Fähigkeiten, ein Kind des 21. Jahrhunderts, das es mit der ganzen Männerwelt aufnimmt und am Ende selbst eine Kugel im Kopf überlebt".
Elmar Krekeler von der Welt verdammt zunächst die "radikal unökonomisch erzählte und merkwürdig lektorierten Romane" des "Antifa-Propagandisten" (für die Springerpresse wahrscheinlich das Schlimmste, was es gibt auf der Welt) Larsson, um dann dem Film zu bescheinigen, ihm gelinge ein "nicht geringes Kunststück: die Verwandlung von Pappkameraden in Menschen".
Juia Schaaf befasst sich in einem ellenlangen FAZ-Artikel mit der Buch- und Filmfigur Lisbeth Salander sowie mit der Darstellerin der letzteren, Noomi Rapace.
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