Filmkritik:
Welcome
F 2009 R: Philippe Lioret D: Vincent Lindon, Firat Ayverdi, Audrey Dana, Derya Ayverdi, Thierry Godard, Selim Akgül, Firat Celik, Murat Subasi 115 Min. Filmwebsite
Seit über drei Monaten ist der kurdische Teenager Bilal schon auf der Flucht. Zu Fuß schaffte es der 17-jährige auf abenteurlichen Wegen vom Irak durch ganz Europa bis an den Ärmelkanal. Er hat sein Land verlassen, nachdem seine Freundin Mîna kurz zuvor nach England emigriert ist, um sie wiederzusehen und um in England eine Fußballkarriere zu starten. Doch an der Nordküste Frankreichs nimmt seine Reise ein abruptes Ende. Bilal und seine Freundin trennt nun, mitten in der kalten Jahreszeit, der von starkem Nordwestwind aufgewühlte Ärmelkanal. Kurzentschlossen sucht der Junge das örtliche Hallenbad auf, um das Schwimmen zu trainieren ...
Bei Michael Kohler von der Frankfurter Rundschau lesen wir: "Für die Stadtoberen sieht das natürlich anders aus. Für sie bedeutet Mitgefühl mit einem "illegalen" Immigranten der Anfang vom Ende unserer Wohlstandsgesellschaft. Bei Philippe Lioret bekommt diese angenommene Gefahr ein menschliches Gesicht, was es nicht nur für seinen traurigen Helfer schwierig macht, einfach weiter wegzusehen".
Birgit Glombizt schreibt bei Spiegel Online, es sei eine "unglaubliche und anrührende Geschichte", die Lioret hier erzähle. Er habe vor Ort gedreht, "schnell, ohne lange Proben, ohne komplizierte Lichtaufbauten, gleich auf der Straße"; das lasse den Film "so rau, direkt und ehrlich" aussehen. Anders als der britische "Arbeiterfilmer und Erbe der Kitchen-Sink-Dramatiker" Ken Loach bleibe der Franzose ein "unverbesserlicher Romantiker".
"Einfache Geschichte auf den ersten Blick, vielschichtiges Drama auf den zweiten", findet Annabelle Seubert vom Tagesspiegel. Dass ein Film, "so leise und schlicht", eine so wichtige Debatte auslösen könne, wie dies Welcome in Frankreich getan habe, sei "ein kleines Wunder".
Kathrin Häger vom Filmdienst meint, diese Sozialstudie sei "nicht so düster" wie die Filme Ken Loachs, aber "ähnlich berührend ob der Unmenschlichkeit eines Systems, das versucht, durch Ausschluss nicht selbst auf internationalem Parkett außen vor zu bleiben". Lioret packe diese "unaufgeregte und ganz und gar nicht polemische Geschichte feinfühlig in Bilder des Elends, die an ihren Rändern doch noch genug Raum für Nächstenliebe, Freundschaft und Hoffnung lassen".
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