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Aktualisiert am 26.09.2006

Filmkritik:

In den Süden

In den Süden

(Vers le sud) F/CAN 2005 R: Laurent Cantet D: Charlotte Rampling, Karen Young, Louise Portal, Ménothy Cesar, Lys Ambroise, Jackenson Pierre Olmo Diaz 105 Min Filmwebsite
Im Haiti der 70er Jahre verbringen einige ältere Damen ihren Urlaub in einem abgeschlossenen Hotelkomplex, um sich mit jungen Einheimischen zu vergnügen. Draußen herrscht brutale Diktatur.

Ulrich Kriest vom Filmdienst ist beeindruckt: "Regisseur Laurent Cantet gelingt es mustergültig, das Private (hier: Körper, Sehnsüchte, Gefühle) mit dem Politischen (hier: Post-Kolonialismus, Kapitalismus, Rassismus, Prostitution) zu verbinden, ohne dabei in Plattitüden zu verfallen. (...) Cantet wertet das, was er zeigt, nicht moralisch, aber gerade durch die vage Gleichordnung der Beobachtungen gelingen ihm kluge Bilder für die komplexen emotionalen und sozialen Beziehungen, die hier verhandelt werden."

Rüdiger Suchsland (Frankfurter Rundschau) nennt den Film eine "impressionistische, mörderische Kino-Reise. Mit seinen einfachen, klar kadrierten Bildern, seinem Erzählen ohne große Mätzchen und Manierismen sowie einer gewohnt glänzenden Charlotte Rampling in der Hauptrolle ist In den Süden ein kleines Meisterwerk nüchterner Beobachtung." Er zeige treffend "den Machismo, der auch unter Frauen verbreitet ist, die subtilen Hierarchien und den nur oberflächlich verhüllten Rassismus, die die Ordnung des Urlauberlebens bestimmen".

Christiane Peitz vom Tagesspiegel hat andere Dinge gesehen: "Cantet entdeckt die Einsamkeit hinter dem Verlangen, die Verwirrung und Verstrickung der Frauen und ihrer Lover. (....) Das Muster von Ausbeuterin und Ausgebeutetem, Täterin und Opfer geht nicht auf. Die Bilder entwickeln Empathie für die stille Verzweiflung, mit der die Frauen und ihre Liebhaber sich eine Traumwelt vorgaukeln."

Wilfried Hippen von der taz nennt das Verhältnis der Hauptpersonen untereinander eine "pervertierte Dreiecksgeschichte, bei der statt der erotischen die ökonomischen Abhängigkeiten im Vordergrund stehen." Der Film hat ihm sehr gut gefallen: "Auch wenn der Film auf eine dramatische Zuspitzung am Ende zuläuft, also wirkungsvoll inszeniertes Erzählkino bietet, ist er in erster Linie eine scharfsinnige und detailreiche Analyse des Sextourismus."

Peter Claus von der Welt ist ebenfalls voll des Lobes: "Neben der vielschichtigen Darstellung von Charlotte Rampling begeistert die raffinierte Verschachtelung sehr persönlicher, ja, intimer Ereignisse mit solchen der Weltpolitik. Weil fast durchweg sehr verhalten, in Andeutungen, wirkt das nie aufdringlich und deshalb ausgesprochen nachhaltig."

Barbara Schweizerhof von epd Film sah die "Hauptkonfliktlinie" zwischen den beiden Frauen: "Zu Beginn ist Ellen die gefühllose Zynikerin, die sich über Brendas Sentimentalität lustig macht. Wie nur sie es kann, gelingt es Charlotte Rampling in dieser Rolle, hinter Herrschsucht und Boshaftigkeit Verletzlichkeit und charakterliche Integrität aufblitzen zu lassen. Am Ende nämlich stellt sie sich als die wahre – unglücklich – Liebende heraus, während die kuhäugige Brenda ihr eigenes Ideal ans Amüsement verrät." Der Film zwinge den Zuschauer geradezu "die unangenehmen Seiten des Themas auszuhalten. (...) Cantet zeigt seine Figuren also alles andere als vorteilhaft, aber er nimmt sie mit ihren Bedürfnissen ernst – und das macht diesen Film trotz aller negativen Gefühle, die er auslöst, sehenswert."

Dominik Kamalzadeh von der taz schreibt, Cantet interessiere sich "weniger für eine Ökonomie, an der das Gefälle zwischen Erster und Dritter Welt ablesbar wird, als für wechselseitige Projektionen." Der Film entwickele "sein Drama zuallererst über vielfältige Blickachsen. Wie nehmen Fremde ihr vermeintliches Paradies wahr? Wie betrachten sich Menschen unterschiedlicher Kulturen? Welche Dynamik herrscht zwischen den Geschlechtern?" Nicht so gelungen sei das Bild Haitis: "Der Ausbruch aus dem Ferien-Resort gelingt Cantet allerdings nur ungenügend. Die spärlichen Szenen in der Stadt bleiben auf stereotype Verdachtsmomente und Aktionsabläufe beschränkt und wirken mithin zu verknappt, zu demonstrativ, um als Korrektiv zur Welt der Touristinnen zu genügen."

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