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Aktualisiert am 21.04.2008

Filmkritik:

Actrices ... oder der Traum aus der Nacht davor

Actrices

(Le rêve de la nuit d'avant) F 2007 R: Valeria Bruni Tedeschi D: Valeria Bruni Tedeschi, Louis Garrel, Noémie Lvovsky, Valeria Golino, Mathieu Amalric, Maurice Garrel, Marisa Borini 107 Min. Filmwebsite
Die Schauspielerin Marcelline probt gerade ihre Rolle in Turgenjews Ein Monat auf dem Lande und ihr 40. Geburtstag steht an. Das Stück handelt von einer älteren Frau, die sich einen jungen Mann verliebt und auch Marcelline hat Probleme mit Liebe und Alter. Sie möchte endlich ein Kind, doch es fehlt ihr der passende Mann. So kommt es bei den Proben zu allerlei Verwicklungen und Kriesen.

Ulrich Kriest ( Filmdienst) mag Filme über Theaterschauspieler eh schon nicht besonders, weil diese Leute zu einem "anstrengenden Menschenschlag" gehörten und man oft "nur gespreizte Eitelkeit" zu sehen bekomme. "Wenn dabei dann auch noch, wie in Valeria Bruni Tedeschis zweiter Regiearbeit, kübelweise Midlife-Crisis-Psychologie ausgeschüttet und mit surreal-slapstickhaften Einfällen aus zweiter oder dritter Hand verrührt wird, wenn plötzlich Tote zum Dialog bereitstehen oder fiktive Figuren zum Leben erweckt neben ihre Darstellerin treten, die Katakomben des Theaters durchstreifen und sich solcherart möglichst viele Konflikte schwerblütig und existenziell spiegeln und verdoppeln – ja, dann möchte man das eigentlich nicht mehr schauen." Dass ausgerechnet die von Kriest geschätzte Bruni Tedeschi "die Keule der von Überzeichnung und Ironie dröhnenden, mit autobiografischen Anspielungen gespickten Selbstüberschätzung auspackt, ist so erschütternd, dass man versucht ist, fast schon von einer Karikatur eines Schauspielerfilms zu sprechen."

Natalie Soondrum ( Frankfurter Rundschau) fand den Film dagegen ganz amüsant. "Mit viel Humor und einem Auge für Details entlarvt Bruni-Tedeschi den großen Star als kleines Mädchen, das alles perfekt machen will, damit Mami sie lieb hat. Sie zeigt die Sucht der Menschen, sich in der Schauspielerin zu spiegeln, ihr aber gleichzeitig die Sonderstellung zu verübeln."

Barbara Schweizerhof ( taz) rät den Film alleine zu gucken. Bruni-Tedeschi zeige "keine unbedingt sympathische Figur". Der Film sei eine "eine Gratwanderung (...) : das Groteske, das Widersprüchliche, das Lächerliche an den Problemen von Marcelline herauszustellen - ohne die Figur ganz der Lächerlichkeit preiszugeben. (...) Wie gesagt, derjenige, den man mit in diesen Film geschleppt hat, würde vieles daran auszusetzen finden: angefangen von der übertriebenen Rolle von Noémie Lvovsky als in den schwulen Regisseur verliebte Assistentin bis hin zur stockenden Dramaturgie. Allein dagegen lassen sich besser die Momente bewundern, in denen Bruni Tedeschi das Drama ihrer Frauengeneration in oft merkwürdigen, aber präzisen Bildern einfängt."

Jenny Hoch ( Spiegel Online) fühlte sich an Woody Allen erinnert und insgesamt gut unterhalten: "Es gehört zur großen Kunst dieser Schauspielerin und Regisseurin, dass es ihr gelingt, diese Ich-bezogene, überspannte Diva im richtigen Moment trotzdem sympathisch erscheinen zu lassen. Valeria Bruni-Tedeschi nimmt sich selbst niemals zu ernst, sondern entwirft mit Actrices ein ironisches und zugleich trauriges Selbst- und Künstlerporträt, in dem Theater und Leben, Realität und Fiktion oft nicht mehr auseinander zu halten sind."

Auch Rainer Gansera ( Süddeutsche Zeitung) hat der Film gefallen: Es sei "eine Komödie über Eitelkeiten und Launen von Schauspielerinnen, sondern erzählt in Form eines komödiantisch stilisierten Selbstporträts von den tiefsten, intimsten Ängsten und Selbstzweifeln einer vierzigjährigen Frau." Das "Wunder" des Films sei, dass "sein radikal wahrhaftiger, bis zur Selbstentblößung gehender Subjektivismus nicht den Anhauch von eitler Selbstgefälligkeit aufweist. Valeria Bruni Tedeschi nimmt die Welt genau in den Blick, entzündet daran ihren Witz, und zeichnet die anderen Figuren so zärtlich, aufmerksam und liebevoll, als wären es ihre Kinder."

Kerstin Deckers Lob im Tagesspiegel fällt etwas distanzierter aus: Der Film zeuge vom Wissen, "dass es nichts Marginaleres gibt als einen selbst" gebe, man sei "Nebendarsteller des eigenen Lebens...(...) In Actrices wird aus diesem Wissen ein Filmblick, dem man nie ohne Reserve, aber mit wachsendem Interesse und Sympathie folgt(...). Actrices macht auf phantasievoll-beiläufige Art Ernst mit unserer von Natur aus surrealen Existenz."

Die Zeit hat Valeria Bruni Tedeschi getroffen, porträtiert die Künstlerin ein wenig und nennt Actrices einen "leichten und gedankenverlorenen, heiteren und melancholischen Film", der dabei zusehe, "was die Kunst mit dem Leben anstellt. Und umgekehrt."

Der Freitag hat sich mit Valeria Bruni-Tedeschi unterhalten. Auch die Süddeutsche Zeitung hat mit ein Interview geführt, in dem sie nicht über ihre Schwester Carla Bruni sprechen wollte.

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