Filmkritik:
Vaterland
D 2002 R: Thomas Heise
Der Dokumentarfilm über Straguth, ein kleines Dorf in Sachsen Anhalt, ist "kein realistisches Dorfbild", sondern ein "vielfach gebrochener Spiegel eines seelischen Zustandes, einer gelebten Irrationalität, die weit mehr als nur einen öden Landstrich und ein paar Individuen betrifft", schreibt Ralf Schenk vom Filmdienst, dem der Film recht gut gefallen hat: "Heise bezieht seine Aufnahmen zwar aus der Wirklichkeit, aber durch die Komposition, die Montage und Collage des Gefundenen, gelangt er ins Philosophische und Spirituelle. Die authentischen Figuren seines Films haben durchaus etwas mit Tarkowskijs Protagonisten (etwa aus Stalker) zu tun: Hier wie dort befinden man sich in einer 'Zone'; ein Entrinnen scheint unmöglich."
Silvia Hallensleben ( Tagesspiegel) schreibt: " Vaterland deutet auch auf einen breiteren historischen Anspruch, der voraussetzt, dass die Verletzungen der Vergangenheit auch in der Gegenwart noch wirken. Manchmal kann solcher Phantomschmerz ein ganzes Land befallen und lähmen. Heise zeigt uns die Wunden, doch er spricht auch von den Waffen, die sie geschlagen haben."
Katja Nicodemus (Die Zeit) nennt den Film "eine Spurensuche mit offenem Ausgang. Eine Expedition, die den grauen Asphalt des kleinen Dorfes aufbricht, in die Sedimentschichten und Abwasserkanäle der Geschichte vorstößt. In Straguth, diesem gottverlassenen Ort, gräbt Thomas Heise die deutsche Gegenwart um, vorsichtig wie ein Archäologe, der jedes Fundstück aufhebt, betrachtet sichert, egal, aus welchem Trümmerhaufen es ursprünglich stammen mag."
Fritz Göttler von der Süddeutschen Zeitung gefiele diese "filmische Zeitreise". Wenn da einer "aus einer eigentlich armseligen Kindheit erzählt", dann geschieht das "so lebhaft, so verrückt", als wäre es "die aufregendste Sache von der Welt". Die Wiederholung mache Thomas Heise "nicht bange, er filmt gern den Stillstand, die Stagnation".
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